Wissenwertes aus der Geschichte 
Die Steinheilkunde ist ein junges Naturheilverfahren, das am Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich einen enormen Aufschwung nahm. Doch ist die Steinheilkunde tatsächlich so jung? Archäologische Funde, altägyptische Papyri und Zeugnisse antiker Schriftsteller weisen darauf hin, daß das "Heilen mit Steinen" die Menschheit wohl schon seit ihren Anfängen begleitet. Von der Antike bis ins Mittelalter und die Renaissance zählte die Steinheilkunde zu den allseits bekannten Naturheilverfahren - dann verschwand sie plötzlich für zwei Jahrhunderte aus dem allgemeinen Bewußtsein.
Die ältesten Zeugnisse, die heute noch von der Heilkraft der Steine berichten, sind neben archäologischen Funden, deren Deutung meist sehr spekulativ bleibt, und den noch bestehenden Traditionen der Naturvölker vor allem medizinische Werke aus Indien, Chaldäa, Mesopotamien, Ägypten, dem antiken Griechenland und Rom. Allen ist der selbstverständliche Glaube an eine Heilkraft der Steine ebenso zu eigen, wie das Eingebundensein aller Heilanwendungen in die jeweiligen kulturellen und religiösen Hintergründe. So ist die Heilkraft der Steine in ihren Anfängen untrennbar mit der Astrologie verknüpft. Steine wurden ebenso wie die Himmelskörper als Ausdruck göttlicher Prinzipien betrachtet, als "handhabbare Planeten" gewissermaßen, mit denen die zur Heilung erforderlichen göttlichen Kräfte herbeigerufen werden konnten. Da der Götterhimmel Indiens, Chaldäas, Mesopotamiens, Ägyptens und der griechisch-römischen Antike interessanterweise stets Gottheiten ähnlicher Natur beherbergte, wurden auch die Attribute der zugeordneten Edelsteine zunächst kaum verändert.
Forscher wie Baron Dr. von Oefele vermuteten reale Erfahrungen mit der Heilkraft von Steinen als Ursprung der antiken Edelsteinmedizin, durch fortwährendes Abschreiben und Umdeuten der Namen und Bezeichnungen wurde der Sinn und Wahrheitsgehalt im Laufe der Jahrhunderte jedoch zunehmend entstellt. Dies zog sich bis ins Mittelalter hinein, da auch die Autoren dieser Zeit stets aus antiken Quellen schöpften. Nur mit Mühe können daher aus allen antiken und mittelalterlichen Schriften konkrete Hinweise zur Heilkraft der Steine ermittelt werden.
Eine Änderung trat erst im 12. Jahrhundert mit dem außergewöhnlichen Werk der Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen ein. Hildegards medizinische Schriften "Physica" und "Causae et curae" unterscheiden sich sehr von den Darstellungen ihrer Zeitgenossen und Vorgänger. Gerade auch das vierte Buch der Physica, das "Buch von den Steinen" bietet erstmals wieder völlig neue Erkenntnisse zur Heilkraft der Edelsteine, welche selbst die heutige Steinheilkunde noch beeinflussen.
Doch im Mittelalter geriet Hildegard von Bingen sehr schnell wieder in Vergessenheit. Ihre Originalwerke und die wenigen vorhandenen Kopien verschwanden in den Klosterbibliotheken, wo vor allem die medizinischen Schriften über Jahrhunderte verschwunden blieben. Derweil setzte sich die Kette der antiken Überlieferungen fort, welche in der Renaissance schließlich noch einmal belebt wurden. Zu dieser Zeit fand auch die traditionelle Steinheilkunde ihren letzten literarischen Ausdruck.
Mit der zum Ende des 17. Jahrhunderts einsetzenden Aufklärung begann jedoch der vorläufige Niedergang. Für die traditionskritische, vernunftbetonte Aufklärung und die neuentstehenden Naturwissenschaften war die Heilkraft der Steine schlicht Aberglaube. Zwar mangelte es der Steinheilkunde nicht an Erfolgen, das Problem jedoch war, daß der Mechanismus ihrer Heilweise damals nicht wissenschaftlich erklärt werden konnte. Noch fehlte der Chemie und mechanisch orientierten Physik jegliches Verständnis zu Strahlungen oder energetischen Feldern. Die Steinheilkunde verschwand in den Geheimgesellschaften.
In der Folge finden sich nur noch wenige Überlieferungslinien in die Moderne. Über alchemistische Traditionen und die Anthroposophie blieb ein kleiner Teil des ursprünglichen Wissens bewahrt, alles andere mußte jedoch neu erforscht und erschlossen werden.
Die Steinheilkunde steht heute erstmals an der Schwelle zu einem anerkannten Naturheilverfahren. Mineralien und Edelsteine, die uns durch ihre Schönheit und Einzigartigkeit schon immer faszinieren und erfreuen, offenbaren uns nun neue, wichtige Eigenschaften. Diese können wir zur Hilfe und Heilung für uns und andere einsetzen.
Medizinische Erfahrung, traditionelles Wissen und naturkundliche Beobachtungen verbinden sich in der Steinheilkunde zu einer Fülle hilfreicher Anwendungen.